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20. November 2018


Aktuelle Artikel

Steuerklassen wechseln - Wann es sich lohnt

Rentenversicherung - freiwillig zuzahlen

"Hat der Aktienmarkt das Schlimmste überstanden?"


Steuerklassen wechseln - Wann es sich lohnt

20.11.18

Hochzeit, Kinder, Arbeitsplatzwechsel oder Renteneintritt - all diese Ereignisse können zu Veränderungen in der steuerlichen Behandlung führen. Dann kann es sinnvoll sein, über einen Wechsel der Steuerklassen nachzudenken. Aber auch sonst lohnt es sich, von Zeit zu Zeit immer wieder die verwendeten Steuerklassen zu überprüfen.

Bevor Sie die Steuerklasse wechseln, ist es notwendig konkret durchzurechnen, wie sich ein Wechsel auf das Nettogehalt auswirkt. Ganz einfach geht dies zum Beispiel mit dem Lohn- und Einkommensteuerrechner des Bundesfinanzministeriums . Bedenken sollte man allerdings auch: Da die tatsächliche Abgabenhöhe erst mit dem Einkommensteuerbescheid festgelegt wird, kann ein höheres monatliches Nettogehalt zu Nachzahlungen führen.

Der Antrag auf einen Wechsel der Steuerklasse kann einmal im Jahr erfolgen und muss schriftlich beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden. Damit sich der Wechsel noch im laufenden Jahr auszahlt, muss der Antrag bis zum 30. November gestellt werden.

Hochzeit

Nach der Hochzeit erhalten beide Ehepartner automatisch Steuerklasse 4. Verdienen die Ehepartner unterschiedlich, kann ein Wechsel in die Steuerklassen 3 bzw. 5 sinnvoll sein. Dabei ist die Steuerklasse 3 dem Ehepartner mit höherem Einkommen zugedacht. Der Ehepartner mit dem niedrigeren Einkommen erhält die Steuerklasse 5. Außerdem besteht noch die Möglichkeit des sogenannten Faktorverfahrens.

Arbeitslosigkeit

Auch bei drohender Arbeitslosigkeit kann sich ein Wechsel der Steuerklasse lohnen. Bei der Berechnung des Arbeitslosengelds geht die Agentur für Arbeit von der am 1. Januar des betreffenden Jahres gültigen Steuerklassenkombination aus. Weiß ein Arbeitnehmer bereits im laufenden Jahr, dass er oder der Lebenspartner im darauffolgenden Jahr arbeitslos sein wird, kann ein Steuerklassenwechsel noch vor Beginn des neuen Jahres beantragt werden. Lassen Sie sich vor einem Wechsel aber umfassend von Ihrem Finanzamt oder Steuerberater informieren.

Elterngeld/Mutterschaftsgeld

Im Falle einer Schwangerschaft gibt es für die Mutter bzw. für die Eltern in Bezug auf Eltern- und Mutterschaftsgeld einige Möglichkeiten, die Einnahmen zu optimieren. Je nachdem, wann die Steuerklasse aufgrund der anstehenden Geburt geändert wird, ändert sich die Höhe des Eltern- oder Mutterschaftsgelds. Auch hier sollten Sie sich vor dem Antrag auf Steuerklassenwechsel umfassend informieren.

Scheidung

Im Trennungsjahr verbleiben beide Ehepartner noch in ihrer bisherigen Steuerklasse (also 3, 4 oder 5). Sobald die Scheidung vollzogen ist, werden beide Ehepartner wieder in Steuerklasse 1 eingeordnet.

In einigen Fällen ist es möglich, die Steuerklasse auch mehrmals im Jahr zu ändern. Dies gilt wenn:
  • der Ehepartner keinen Lohn mehr bezieht,
  • der Ehepartner wieder ein Arbeitsverhältnis aufnimmt,
  • bei einer dauerhaften Trennung sowie bei
  • Tod eines Ehepartners.



Rentenversicherung - freiwillig zuzahlen

20.11.2018

Die Frage, wie hoch die eigene Rente später einmal ausfallen wird und ob auch genügend Geld zur Verfügung steht, beschäftigt immer mehr Erwerbstätige - unabhängig vom Alter. Was viele nicht wissen: Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung können auch freiwillig geleistet werden und sind nicht immer Teil der Pflichtversicherung. Mit freiwillig gezahlten Beiträgen können Sie Ihre Rentenansprüche erhöhen oder überhaupt Ansprüche auf Rentenzahlungen erhalten. In Zeiten extrem niedriger Zinsen kann sich eine Investition in die gesetzliche Rente lohnen. Lesen Sie nachstehend, in welchen Fällen sich freiwillige Zuzahlungen lohnen können.

Frührente ohne Abschläge

Möchten Sie vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand gehen, müssen Sie Abschläge auf die gesetzliche Rente in Kauf nehmen. Jeder Monat vorzeitiger Rente kostet derzeit 0,3 Prozent Abschlag. Zur Vermeidung der Abschläge können Sie freiwillige Sonderzahlungen leisten. Diese Sonderzahlungen sind ab dem 50. Lebensjahr möglich. Die Höhe der Sonderzahlungen hängt von der Höhe des Gehalts und dem gewünschten Renteneintritt ab. Je höher das Gehalt und je früher der Renteneintritt, desto höher der Betrag der Sonderzahlungen. Die exakte Höhe der möglichen Zahlungen erfahren Sie durch eine gesonderte Rentenauskunft, die Versicherte anfordern können. Einen Rentenrechner finden Sie hier

Die Einzahlung freiwilliger Sonderzahlungen ist unabhängig davon, ob Sie schließlich tatsächlich früher in Rente gehen. Entscheiden Sie sich doch bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten, erhöht sich Ihre Rente durch die getätigten Sonderzahlungen.

Gesetzliche Rente für Selbständige

Auch für Selbständige besteht die Möglichkeit, Anspruch auf Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwerben. Hierzu können sich Selbstständige entweder freiwillig pflichtversichern oder freiwillig rentenversichern. Wer sich freiwillig pflichtversichern möchte, muss den Antrag innerhalb der ersten fünf Jahre der Selbständigkeit stellen. Sie zahlen dann einen Regelbetrag oder einen einkommensabhängigen Betrag. Diese Regelung gilt dann für die gesamte Selbständigkeit und lässt sich nicht rückgängig machen. Selbständige, die sich freiwillig rentenversichern möchten sind flexibler, da die Höhe des Beitrags frei wählbar ist. Nachdem Beiträge für fünf Jahre gezahlt wurden, besteht auch bei der freiwilligen Rentenversicherung ein Anspruch auf Altersrente und Hinterbliebenenschutz.

Rentenanspruch erwerben

Personen, die nicht oder nur sehr kurz in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, können mit freiwilligen Einzahlungen ebenfalls ein Anspruch auf Rentenzahlungen erwerben. Anspruch auf die staatliche Rente hat man nach fünf Beitragsjahren. Freiwillige Beiträge können Sie nur vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze entrichten. Wenn Sie bereits eine volle Altersrente erhalten ist dies nicht mehr möglich.


Hat der Aktienmarkt das Schlimmste überstanden?

20.11.2018

Für Aktien war der Oktober kein goldener Monat, im Gegenteil. Doch scheint sich die Aktienstimmung wieder aufzuhellen. Im Handelsstreit sowie in der Brexit-, Italien- und Zinsfrage lassen sich tatsächlich Entspannungstendenzen erkennen:

Nach der amerikanischen Kongresswahl verliert das aufgeheizte Thema "Handelskrieg zwischen Amerika und China" an Bedeutung und gewinnen rationale Argumente wieder die Oberhand. Beide Seiten sitzen in einem Boot. Während die USA nicht in der Lage sind, mit den kostengünstigen Lieferketten Chinas zu konkurrieren und daher keine nachhaltigen Schäden für Industrie und Arbeitsplätze riskieren will, hat China als große Exportnation ein klares Interesse an einer friedlichen handelspolitischen Koexistenz mit Amerika. Eine Konfliktbeilegung mit Vereinbarung eines Handelsabkommens wie bereits mit Kanada und Mexiko würde einen massiven Stein aus dem Aktien-Weg räumen. Markante Umsatz- und Gewinnwarnungen der international tätigen Unternehmen blieben aus.

Trotz vermeintlich verhärteter Verhandlungspositionen zwischen Brüssel und London über das Wie des Austritts Großbritanniens aus der EU besteht dennoch Zuversicht, dass bis Dezember eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden wird. Denn einerseits will Großbritannien nicht alle Vorteile des EU-Binnenmarkts verlieren, um eine schwere Rezession zu verhindern. Andererseits will Brüssel keine schmutzige Scheidung, um Großbritannien nicht komplett von der EU-Fahne gehen zu lassen. Im geowirtschaftlichen Wettbewerb mit den USA und China soll Gesamt-Europa ein starkes Gegengewicht bilden. Für den Fall der Fälle wird man eine Übergangsfrist vereinbaren, die weitere Zeit für Verhandlungen gewinnt.

Bewegung kommt ebenso in den Schuldenstreit zwischen Brüssel und Rom. Italien erwägt Haushaltsstraffungen, um 2019 eine Defizitquote von maximal zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen. Nachdem zunächst eine Defizitquote von 2,4 Prozent geplant war, stellt Rom damit schuldenpolitische Besserung in Aussicht. Damit öffnen sich "diplomatische" Freiräume für eine beidseitig gesichtswahrende Schuldenlösung. Als zusätzliches Versöhnungsangebot könnte Italien eine Verschiebung hin zu mehr "guten" Schulden in Form von Infrastrukturinvestitionen vorschlagen. Immerhin kämen diese der italienischen Wettbewerbsfähigkeit und dem Wirtschaftswachstum zugute. Von Stabilitätskultur kann insgesamt zwar nicht mehr die Rede sein. Doch sind die Finanzmärkte mittlerweile schon für den Luxus dankbar, dass sich eine italienische Schuldenkrise, die über eine neue Bankenkrise Europaweit streute, verhindern lässt. Und in der Tat, der Renditeanstieg italienischer Staatspapiere zu deutschen hat sich zuletzt nicht weiter fortgesetzt.

Selbst die amerikanische Zinserhöhungsangst lässt nach: Die weltweite Wachstumsverlangsamung nimmt Restriktionsdruck von der US-Notenbank. Auch Amerika wird 2018 den Gipfel im aktuellen Konjunkturzyklus erreichen. Insofern nachgebende Energie- und Metallpreise bremsen den zukünftigen Inflationstrend und somit eine weitere Renditeverschärfung an den US-Kreditmärkten.

Mit der Zins- und Renditeentspannung verlieren ebenso die Argumente für einen weiter steigenden US-Dollar an Gewicht, die ansonsten zu einer weltkonjunkturhemmenden Kapitalflucht aus den wachstumsstarken Schwellenländern führten.

Unbestritten, die US-Notenbank ist in letzter Zeit verbal sehr falkenhaft aufgetreten. Dies ist als Reaktion auf die kritischen Äußerungen Präsident Trumps über ihre Zinspolitik zu verstehen. Die wichtigste Zentralbank der Welt muss zur Verteidigung ihrer politischen Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit Haltung bewahren. Tatsächlich wird sie jedoch von ihrer vergleichsweise verhaltenen Zinserhöhungspolitik nicht abweichen. Worte sind keine Taten.

Ohnehin hat es der europäische Zinsmarkt als Anlagealternative zu Aktien weiter schwer. Die durchschnittliche Rendite deutscher Staatsanleihen nach Abzug der Inflation ist deutlich negativ und sogar auf ein neues Allzeittief gefallen.

Vor diesem Hintergrund ist insgesamt mit einer weiteren Stabilisierung der Aktienmärkte zu rechnen.

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG:

http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128



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