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22. März 2018


Aktuelle Artikel

Tipps zur Steuererklärung 2017

Automatisierte Vermögensverwaltung mit Robo-Advisor

Bei einem Handelskrieg wird Deutschlands Exportstärke zu seiner größten Achillesferse


Tipps zur Steuererklärung 2017

22.03.18

Sie sind nicht verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben? Unter Umständen kann es sich dennoch lohnen. Denn rund 90 Prozent der Steuerzahler erhielten zuletzt Geld vom Staat zurück. Lesen Sie nachfolgend die wichtigsten Neuerungen und Tipps rund um die Steuererklärung 2017.

Weniger Belege

Statt der Vorlagepflicht von Belegen gilt nun eine Aufbewahrungspflicht. Sie müssen die Belege also nun nicht mehr Ihrer Steuererklärung beifügen, sondern diese nur noch bei Bedarf einsenden. Nach Erhalt des Steuerbescheids müssen Sie die angegebenen Belege für mindestens ein Jahr aufbewahren um eventuelle Nachfragen der Finanzämter zu beantworten. Betroffen von der Neuerung sind insbesondere Spendenquittungen.

Neuer Grundfreibetrag

Der Grundfreibetrag für Ledige betrug für das Steuerjahr 2017 8.820 Euro, für Ehepaare 17.641 Euro. Dies entspricht einer Erhöhung um 168 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Für das Steuerjahr 2018 ist eine weitere Erhöhung auf dann 9.000, für Ehepaare 18.000 Euro, geplant.

Automatisierte Bearbeitung der Steuererklärung
Zukünftig sollen die meisten Steuererklärungen automatisiert bearbeitet werden. Dementsprechend wird dann auch der Steuerbescheid automatisch verschickt. Ein neues Risikomanagementsystem wird nur die wirklich prüfungsbedürftigen Fälle aussortieren und einem echten Bearbeiter zuteilen. Die Sachbearbeiter im Finanzamt haben aber auch zukünftig noch die Möglichkeit sich einzelne Steuererklärungen gezielt anzusehen. Steuerzahler können im Mantelbogen der Einkommensteuererklärung für 2017 aber auch angeben der vollautomatischen Bearbeitung nicht zu zustimmen.

Weiterhin zu beachten

Achten Sie bei Ihrer Steuererklärung aber nicht nur auf die Neuerungen, sondern auch auf die Klassiker: Fahrtkosten, Ausgaben für Handwerker oder die Kosten für einen beruflich genutzten Laptop können gegebenenfalls geltend gemacht werden. Alleine die Fahrtkosten überschreiten häufig den Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro. Aber auch die sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen, also Arbeiten an Ihrer Wohnung, Ihrem Haus oder Ihrem Grundstück können eine nicht unerhebliche Steuerentlastung bedeuten. Wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, muss dies in den meisten Regionen bis zum 31. Mai 2018 tun.

Automatisierte Vermögensverwaltung mit Robo-Advisor

22.03.2018

Was ist ein Robo-Advisor?

Der Begriff Robo-Advisor setzt sich aus den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater) zusammen. Robo-Advisor sollen also Dienstleistungen aus der Finanzindustrie - insbesondere Finanzplanung und private Geldanlage - automatisieren und digitalisieren. Die Anlageempfehlungen basieren üblicherweise auf Algorithmen und Rechenmodellen, die automatisch angepasst werden. Menschliche Berater sollen bei dieser Form der Beratung kaum oder gar nicht mehr eingreifen.

Durch die Automatisierung der Prozesse sollen Gebühren niedrig sein und die Effizienz gesteigert werden. Beides führt zu einem Kostenvorteil gegenüber klassischen Vermögensverwaltern.

Im Hinblick auf den erbrachten Service sind die Robo-Advisor sehr unterschiedlich. Manche der Anwendungen bieten eine gesamte Anlagestrategie, die die Roboter auch eigenständig umsetzen und überwachen. Andere Anwendungen dagegen machen lediglich Vorschläge, geben Empfehlungen und vermitteln Anlageprodukte.

Wie erfolgt die Anlage?

In einem ersten Schritt muss ein Kunde üblicherweise einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Dies dient dazu, die individuellen Bedürfnisse des Kunden zu ermitteln. Die wichtigsten Parameter sind die finanziellen Ziele, der Anlagehorizont sowie die Risikobereitschaft. Auf dieser Grundlage wählen die Algorithmen bestimmte Anlageklassen aus. Im nächsten Schritt überwachen die Robo-Advisor, die einen umfassenderen Service bieten, das ausgewählte Portfolio und achten dabei besonders darauf, die ermittelte Risikobereitschaft des Kunden auch im Verlauf zu berücksichtigen.

Zielgruppe und Ausblick

Die erste Zielgruppe waren die sogenannten Millennials, also Personen die zwischen 1985 und 1995 geboren wurden. Diese Gruppe ist durch die Digitalisierung geprägt und besonders technikaffin. Zur weiteren Zielgruppe gehören wohlhabende und hochqualifizierte Anleger, die einen Teil ihres Vermögens durch Robo-Advisor verwalten möchten.

Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Kosten werden Robo-Advisor in Zukunft sicher auch für Menschen mit weniger Vermögen von großem Interesse sein. Auch für Anleger ohne ausgeprägtes Finanzwissen kann diese neue Art der Finanzplanung und -verwaltung interessant sein.

Wie bei der Nutzung von Online-Banking oder Finanzapps, ist auch bei der Nutzung von automati-sierter Beratung der Sicherheitsaspekt ein wichtiges Thema. Achten Sie immer auf die Seriosität der Anbieter und verinnerlichen Sie die wichtigen Prinzipien der Onlinesicherheit, wie sichere Passwörter oder sicherer Internetverbindung.


Kolumne von Robert Halver: Bei einem Handelskrieg wird Deutschlands Exportstärke zu seiner größten Achillesferse

22.03.2018

Donald Trumps Importzölle auf Stahl und auf Aluminium sind zunächst der US-Innenpolitik geschuldet. Im Vorfeld der Kongresswahlen im November 2018 will er bei seinen Stammwählern als Verteidiger amerikanischer Handelsinteressen punkten.

Allerdings glaubt Trump daran, dass Handelskriege zu gewinnen sind. Was Amerika nicht importiert, produziert es selbst und stärkt so seinen eigenen Wirtschaftsstandort. Dass dann jedoch die internationale Arbeitsteilung schrumpft, was zu deutlichen Einbußen bei den global erfolgreichen US-Konzernen, ihren Beschäftigten und natürlich ihren Aktienkurse führt, wird verschwiegen. Tatsächlich könnte der Zusammenbruch der hoch optimierten, globalen Lieferketten sogar stillstehende Laufbänder in der US-Industrie bedeuten.

Doch der Glaube an den Freihandel ist nirgendwo auf der Welt wirklich fest. China subventioniert die Preise seines Exportstahls und -aluminiums dermaßen, dass die US- und europäische Konkurrenz kaum Überlebenschancen hat. Und Europa zahlt auf seine in die USA ausgeführten PKWs deutlich weniger Zoll als US-Autokonzerne bei ihren Exporten in die die andere Atlantik-Richtung. Europa ist protektionistischer als Amerika.

Einen Handelskrieg gegen die USA kann Deutschland nicht gewinnen

Ein gegenseitiges Hochschaukeln von Handelsbarrieren verursacht zwar Schmerzen auf allen Seiten, allerdings in Amerika aufgrund seiner im Vergleich größeren Binnenkonjunktur deutlich weniger als in Deutschland. So sind die USA z.B. für deutsche Autobauer nach der EU der zweitbedeutendste Absatzmarkt.

Richtig fatal wäre es, wenn Trumps Protektionismus nicht nur auf Länder oder Wirtschaftsräume wie die EU, sondern ebenso auf die Unternehmensseite abzielt. Wie im Mittelalter bei der katholischen Kirche käme es dann wieder zu einem Ablasshandel, mit dem man sich von Sünden freikaufen kann. Exportstarken deutschen Unternehmen würden ihre amerikanischen Ausfuhrsünden ohne Handelsstrafen vergeben, wenn sie diese in Form von gehörigen Investitionen und Arbeitsplatzaufbau in den USA sühnen.

Gegen kalten Handels-Krieg hilft friedliche Koexistenz

Mit eiskaltem Realismus muss die EU einen heißen exportpolitischen Totalschaden verhindern. Zum Abbau von Handelshemmnissen könnte die EU die Zölle für amerikanische Güter auf das gleiche Niveau senken wie umgekehrt. Das nimmt der Trump-Administration handelsprotektionistische Munition. Doch wird uns das Thema Handelsprotektionismus an den Finanzmärkten wohl noch bis zur Kongresswahl begleiten. Anschließend möge das Thema Handelsprotektionismus weniger heiß gegessen werden als es im Augenblick von Trump noch gekocht wird.

Europa muss endlich wirtschaftspolitisch erwachsen werden

Unabhängig davon brauchen Europa und Deutschland einen Plan B. Um dem deutschen Exportüberschuss entgegenzuwirken, wären erstens massive staatliche Infrastrukturinvestitionen in die heimische volkswirtschaftliche Substanz, in Straßen, Energie- und Breitbandnetze und viel Bildung geeignete Maßnahmen. Zweitens sollte sich Europa über Wirtschaftsreformen wirtschaftlich so attraktiv machen, dass Unternehmen auf unserem Kontinent ähnlich festgehalten werden wie ein Gebiss von Haftcreme. Und drittens müsste Europa ein starkes geopolitisches Gegengewicht zu Amerika und China bilden. Europa darf nicht als Stück Parmesan zwischen der amerikanischen und chinesischen Käsereibe enden.

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG:

http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128




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