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15. November 2017


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Verwaiste Konten

Steuerabzug vermeiden

Ja ist denn schon Jahresend-Rallye?


Verwaiste Konten

15.11.17

Nach dem Tod geht das Vermögen üblicherweise an die Erben über. In einigen Fällen wissen die Erben aber nichts von existierenden Konten. Auch Banken sind häufig nicht über den Tod von Kunden unterrichtet. Dies führt zu verwaisten Konten, die teilweise jahrzehntelang weiter existieren. Viele Banken lösen diese Konten auf und transferieren die Guthaben auf sogenannte Verwahrkonten.

Guthaben müssen ausgezahlt werden

Stoßen Erben auf verwaiste Konten, müssen die Guthaben bis 30 Jahre nach dem Tod ausgezahlt werden, auch wenn das betreffende Konto inzwischen aufgelöst und das Guthaben auf ein Verwahrkonto überwiesen wurde. Selbst nach Ablauf dieser Frist behalten die Banken üblicherweise das Guthaben nicht ein. Sollte eine Bank die Auszahlung verweigern, haben Betroffene auch die Möglichkeit sich an einen Ombudsmann zu wenden.

Auch Guthaben in D-Mark müssen von den Banken noch ausgezahlt werden. Und zwar zu dem offiziellen Umtauschkurs: 1 Euro = 1,95583 D-Mark. Guthaben in Ost-Mark sind von dieser Regelung ausgenommen. Die Umstellungsfrist hierfür ist bereits abgelaufen.

Nachforschungen häufig kostenlos

Sobald der Verdacht besteht, dass nicht alle Konten eines verstorbenen berücksichtigt wurden, kann es sinnvoll sein, Nachforschungen anzustrengen.

Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) bietet hierfür ein Suchverfahren bei seinen über 200 Mitgliedsinstituten an. Der Bankenverband sucht im Auftrag der Erben nach Konten in bis zu drei Bundesländern. Dazu müssen Erben lediglich einen schriftlichen Antrag stellen, dem eine Kopie des Erbscheins oder des Testaments mit gerichtlichem Eröffnungsvermerk beigefügt ist. In Berlin und den fünf ostdeutschen Bundesländern fällt dafür eine Gebühr von 20 Euro an. In allen anderen Bundesländern ist das Verfahren kostenlos.

Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken bieten diesen Service ebenfalls an. Für Nachforschungen bei Sparkassen muss ein entsprechender Suchauftrag beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gestellt werden. Diesem ist ebenfalls eine Kopie des Erbscheins oder des Testaments mit gerichtlichem Eröffnungsvermerk beizufügen. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) hat dagegen keine zentrale Auskunftsstelle. Erben müssen sich an mögliche Regionalverbände des BVR wenden.

Sollten Sie Konten in der Schweiz vermuten, können Sie sich an die dafür zuständige Zentralstelle wenden. Dies ist der Schweizerische Ombudsmann.

Im Vorfeld sollten Kontoinhaber eine vollständige Liste der vorhandenen Bankkonten führen und an eine Vertrauensperson übergeben oder alle Konten im Testament aufführen.


Steuerabzug vermeiden

15.11.2017

Ein Freistellungsauftrag ist eine Weisung an eine Bank, Bausparkasse oder auch Versicherung keinen Abzug von Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer aufgrund von Kapitalerträgen vorzunehmen. Neben Zinsen zählen auch Ausschüttungen von Fonds, Dividenden und Kursgewinne zu Kapitalerträgen. Reichen Sie keinen Freistellungsauftrag ein oder überschreiten die Kapitalerträge den angegebenen Betrag, fallen entsprechend Steuern an, die an das Finanzamt abgeführt werden.

Geben Sie in Ihrem Freistellungsauftrag immer Ihre Steueridentifikationsnummer an. Paare, die über ein Gemeinschaftskonto verfügen, müssen beide Nummern angeben.

Höhe des Freistellungsauftrages

Zur Freistellung der Kapitalerträge steht Alleinstehenden ein Betrag von 801,00 euro zur Verfügung. Bei Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnerschaften gilt ein gemeinsamer Freibetrag von 1.602 Euro.

Geltungsdauer

In der Regel bezieht sich ein Freistellungsauftrag auf ein Kalenderjahr. Bei unbefristeten Aufträgen gilt die Freistellung solange bis der Auftrag geändert oder widerrufen wird. Vor und während des jeweiligen Jahres können Sie Ihre Freistellungsaufträge ändern. Die Erteilung eines Freistellungauftrages für ein zurückliegendes Jahr ist dagegen nicht möglich.

Freistellungsaufträge aufteilen

Wenn Sie über Konten bei mehreren Banken verfügen, kann es sinnvoll sein, Ihren Freistellungsauftrag aufzuteilen. Grundsätzlich können Sie jedes Ihrer Konten von Kapitalerträgen freistellen lassen. Den Betrag von 801 Euro pro Sparer (Ehepaare: 1.602 Euro) dürfen die gestellten Freistellungsaufträge insgesamt allerdings nicht überschreiten.

Minderjährige

Auch für Minderjährige ist die Erteilung eines Freistellungsauftrages möglich und sinnvoll, da die Freistellungsaufträge der Eltern die Kapitalerträge der Kinder nicht abdecken.

Wurden Kapitalerträge besteuert, können Sie diese erst mit der nächsten Steuererklärung zurück fordern. Beachten Sie daher immer die angegebenen Fristen zur Erteilung eines Freistellungsauftrages. Sollten Sie für Ihr Konto bei pbb direkt noch keinen Freistellungsauftrag für 2017 eingereicht haben, können Sie diesen noch bis zum 26.12.2017 online einreichen. Der Freistellungsauftrag kann dann rückwirkend für das gesamte Kalenderjahr 2017 berücksichtigt werden.

Um den Antrag einzureichen, melden Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten in Ihrem persönlichen Bereich an. Anschließend können Sie unter dem Menüpunkt "Service" das Formular ausfüllen. Bitte bestätigen Sie die Eingabe abschließend mit einer iTAN.

Sollten Sie Sie weitere Fragen zu Freistellungsaufträgen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder das zuständiges Finanzamt.


Kolumne von Robert Halver: Ja ist denn schon Jahresend-Rallye?

15.11.2017

Der deutsche Aktienmarkt ist in Rekordlaune. Einerseits ist der Fundamentalismus auf dem Vormarsch. So knüpft die Weltwirtschaft wieder an ihre Sturm und Drang-Zeit von vor der Finanzkrise an und stärkt die Unternehmensgewinne. Während die Euro-Wirtschaft so stark wie zuletzt 2011 wächst, setzen die USA und die Schwellenländer ihren stabilen Konjunkturkurs fort. Andererseits geht die aktienfreundliche Geldpolitik in die Verlängerung. Die japanische Notenbank und die EZB betreiben weiter munter Liquiditätsausweitung und die amerikanische Notenbank Fed hat eine Pause in ihrem Leitzinserhöhungsprozess eingelegt.

Allerdings erfolgt im Februar 2018 ein Wechsel an der Spitze der Fed. Wie ist Jerome Powell als neuer Zentralbankchef einzuschätzen? Ist die taubenhafte, d.h. freizügige Geldpolitik der aktuellen Amtsträgerin Janet Yellen vorbei? Stellt Powell also ein Aktienrisiko dar? Immerhin hat die Fed als bedeutendste Notenbank Signalfunktion für die gesamte Aktienwelt.

Nein, ein Falke, der auf scharfe geldpolitische Straffung setzt, ist Powell nicht. Ansonsten hätte ihn Donald Trump nicht auserwählt. Welcher US-Präsident hat schon Interesse an Konjunkturschädigung über die Fed? Powell steht für Kontinuität, seine Geldpolitik ist alter Wein in neuen Schläuchen.

Der neue Fed-Chef kann ja auch nicht übersehen, dass die Staatsverschuldung der USA überbordend ist. Über die von der US-Regierung angestrebte Steuersenkungsreform kämen sogar neue Schulden von ca. 1,5 Billionen US-Dollar hinzu. Nicht zuletzt sind die US-Konsumenten bei Hypotheken, Kreditkarten, Auto- und Studentendarlehen bis Oberkante Unterlippe verschuldet. Wer will schon eine neue Schuldenkrise riskieren, wenn sich die Kreditzinsen in den USA auf Geheiß der Notenbank über Gebühr erhöhen?

Der global harte Wettbewerb, damit fehlender Lohnkostendruck und angesichts der Alternativfördermethode Fracking ausbleibende Ölpreisschocks der Opec sprechen sowieso nicht für harte Inflation und geben der Fed ein Alibi für zinspolitische Zurückhaltung.

Grundsätzlich wird also auch unter der Führung von Jerome Powell die US-Notenbank nicht zum Spielverderber der Aktienmärkte. Der Zinsschock bleibt aus.

Daneben haben die politischen Risiken an Drohpotenzial für die Aktienmärkte verloren. Es droht kein europäischer Flickenteppich. Denn bei den für Dezember angekündigten Neuwahlen in Katalonien kommen laut Umfragen die Separationsbefürworter auf keine Mehrheit. Die wirtschaftlichen Schmerzen der Euro-Krise hat man wohl auch in Barcelona und Umgebung nicht vergessen: Lieber spanisch und reich als unabhängig und arm.

Damit ist auch der deutsche Aktienmarkt politisch, fundamental und geldpolitisch in guter Verfassung.

Zwar wachsen die Aktien-Bäume nicht in den Himmel. Phasen der Konsolidierung sind einzukalkulieren. Allerdings ist ein Crash nicht zu erwarten. Mit Blick auf immer noch unterinvestierte Anleger — der deutsche Durchschnittshaushalt gibt mehr Geld für Südfrüchte als für Aktien aus — sind weitere Kursgewinne im Sinne einer Jahresend-Rallye zu erwarten. Mit regelmäßigen Ansparplänen ist man ohne zu großes Kursrisiko dabei.

Aufgrund der weltwirtschaftlichen Stabilisierung erhalten vor allem konjunkturabhängige Aktien weiter Auftrieb. Und die finden sich nun einmal in den industrie- und exportnahen deutschen Aktienindices DAX, MDAX und TecDAX.

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG:

http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128



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