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15. September 2017


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Kryptowährungen

Sollen Mini-Münzen abgeschafft werden?

Wenn einem so viel Euro-Stärke wird beschert, ist das keine restriktive Geldpolitik wert


Kryptowährungen

15.09.17

Als Kryptowährung werden digitale Zahlungsmittel verstanden, die ebenso wie wie Papiergeld keinen intrinsischen Wert haben. Für die Erstellung von digitalen Währungen werden digitale Verschlüsselungstechniken verwendet, die die Schaffung der Währungseinheiten steuern und die Übertragung sicherstellen. Der Name der bekanntesten Kryptowährung ist Bitcoin. Im Gegensatz zu herkömmlichem Geld, dass ausschließlich von der Zentralbank herausgegeben wird — und deshalb auch als Zentralbankgeld bezeichnet wird — werden Kryptowährungen nicht von (Zentral-)Banken begeben.

Warum Kryptowährungen?

Herkömmliche Währungen basieren auf dem Vertrauen in Staaten, die Zentralbank und das nationale Banksystem. Allerdings kam es in der Vergangenheit immer wieder zu einem Vertrauensverlust und damit einhergehendem Wertverfall (Inflation). Da Kryptowährungen nicht von Banken vergeben werden, sollen sie eine Alternative für das klassische Banksystem darstellen. So sollte die erste erfolgreiche Kryptowährung Bitcoin von Anfang an eine Währung sein, bei der alle Nutzer die Währung in den Umlauf bringen und vervielfältigen.

Vorteile
  • Die Kontrolle der Währung liegt nicht bei einer Zentralbank, sondern bei einer weltweiten Gruppe von Nutzern.
  • Kryptowährungen sind dezentral und können weltweit eingesetzt werden.
  • Die meisten Kryptowährungen, wie auch Bitcoin, sind in ihrer Menge beschränkt. Dies soll eine hohe Inflation verhindern.
  • Bitcoins verbinden die Anonymität von Bargeld mit der Einfachheit der Kreditkartenzahlung, die aber detailliert nachvollzogen werden kann.
  • Der Kauf von Kryptowährungen und die Bezahlung sind in den meisten Fällen simpel und mit einfachen Computerprogrammen auszuführen.
  • Eine Reduktion von Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Währungen, beispielsweise durch den Wegfall der Produktion der Zahlungsmittel.


Nachteile
  • Es gibt keine Instanz wie eine Zentralbank, die in Krisenzeiten regulierend eingreifen kann.
  • Die hinter den Kryptowährungen stehende Blockchain-Technologie ist sehr komplex und für die meisten Menschen unverständlich.
  • Kryptowährungen werden auf Computern, Tablets oder Smartphones gespeichert. Dies macht sie anfällig für Cyberkriminalität.
  • Die Anonymität erschwert die Erhebung von Steuern und erleichtert die Finanzierung von Terrorismus oder anderer krimineller Aktivitäten.



Sollen Mini-Münzen abgeschafft werden?

15.09.2017

Aktuell befinden sich mehr als 120 Mrd. Münzen in der Eurozone im Umlauf. Beinahe jede zweite dieser Münzen ist ein Ein- oder Zwei-Cent-Stück. Der Grund für die zahlreiche Prägung der Kleinmünzen ist der häufige Verlust oder die Deponierung in Spardosen oder anderen Behältnissen.

Kritiker der Münzen führen die hohen Herstellungskosten und die umständliche Handhabung im Alltag als Gründe für eine Abschaffung an. Für Banken und Händler ist außerdem der Personalaufwand durch Kleinmünzen groß. Kreditinstitute müssen viele Tonnen an Kleingeld verpacken, vor Diebstahl sichern und bewegen. Kleinen Händlern entstehen hohe Kosten durch die Geldrollen. Denn die ausgegebenen Geldrollen können bis zu fünfzig Cent kosten.

Als fünftes Land der Eurozone wird nun auch Italien ab dem 1. Januar 2018 die Ein- und Zwei-Cent-Münzen nicht mehr in Umlauf geben. Ab dann werden die Italiener auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag ab- oder aufrunden. Finnland, die Niederlande, Belgien und Irland sind diesen Schritt bereits vor einigen Jahren gegangen. Da die Kleinmünzen aber offizielles Zahlungsmittel der Eurozone sind, darf in Italien, wie auch in den vier anderen Ländern, weiter mit den kleinen Münzen bezahlt werden.

Entwicklung in Deutschland

Die deutsche Politik verteidigt dagegen weiterhin die Produktion und Verwendung der Ein-und Zwei-Cent-Münzen. "Seitens des Bundesfinanzministeriums gibt es derzeit keine Überlegungen zur Abschaffung der Kleinmünzen oder zur Einführung nationaler Rundungsregeln" (Quelle: Bundesfinanzministerium ). Auch viele Verbraucher wollen die Kleinmünzen behalten. Sie befürchten durch das Runden der Beträge höhere Kosten. Denn viele Beträge enden mit acht oder neun Cent. Beim Kauf von nur einem Produkt entstehen so höhere Preise.

In letzter Zeit nahm nun aber auch in Deutschland die Diskussion an Fahrt auf. Die niederrheinische Stadt Kleve testet seit Februar 2016 die Abschaffung der Mini-Münzen. Dort werden ebenfalls in vielen Geschäften an der Kasse krumme Rechnungsbeträge auf 5 Cent auf- oder abgerundet. Die Reaktion ist allerdings gespalten. Zahlreiche Händler beklagen den Erklärungsbedarf, besonders in Läden mit vielen kleinen krummen Summen, beispielsweise Bäckereien. Als großen Erfolg kann man das Projekt bisher nicht bezeichnen, denn es gibt eineinhalb Jahre nach dem Projektstart in Kleve noch keine Nachahmer-Gemeinden.


Kolumne von Robert Halver: Wenn einem so viel Euro-Stärke wird beschert, ist das keine restriktive Geldpolitik wert

15.09.2017

Mit freizügiger Geldpolitik hat die EZB die Schuldenkrise in der Eurozone eingedämmt. Gleichzeitig sind Kollateralschäden in Form massiver Blasenbildungen bei Anlageklassen unverkennbar. Ramschanleihen haben mittlerweile so niedrige Renditen wie früher erstklassige Staatsanleihen und auch Immobilienpreise sind außer Rand und Band. Wäre jetzt nicht der ideale Zeitpunkt für eine geldpolitische Kehrtwende gekommen? Die Finanzwelt wartet bereits darauf.

Doch während der Einfluss der EZB an den Finanzmärkten groß ist, ist ihre Wirkung auf die Konjunktur der Eurozone ernüchternd. Trotz jahrelang sintflutartiger Geldpolitik ist das Wirtschaftswachstum bislang nicht nachhaltig und die Inflationierung nur verhalten.

Dies hängt auch mit unserer globalen Welt zusammen. Wie in einem Spinnennetz ist heute jede Erschütterung überall zu spüren. Mit z.B. dem Nordkorea-Konflikt, dem Brexit oder der Verschuldung der Welt, die aktuell deutlich oberhalb des Niveaus vom Krisenjahr 2008 liegt, ist die Eurozone vielen unkalkulierbaren Wirtschaftsrisiken ausgesetzt.

EZB-Präsident Mario Draghi befürchtet ohnehin, dass notenbankseitige Verschärfungen über dann einbrechende Aktien- und Anleihemärkte - 2008 lässt grüßen - die zarten Stimmungsaufhellungen bei Konsumenten und Unternehmen wieder verdunkeln könnten. Angesichts all dieser latenten Risiken will sich die EZB noch nicht von ihrer Rettungsmission verabschieden.

Und sie muss es auch nicht. Denn alternativ nimmt der starke Euro der EZB viel an restriktiver Notenbankarbeit ab. Die Gemeinschaftswährung hat gegenüber den großen Handelswährungen kräftig zugelegt und liegt auf dem höchsten Niveau seit 2014. Grund hierfür ist u.a., dass sich die Exportländer in einem Währungsabwertungswettlauf befinden. Da der Weltkonjunkturkuchen kleiner wurde, muss jedes Exportland sehen, wie es an seine außenwirtschaftlichen Nährwerte kommt. Und warum sollte Amerika mit dem Ausbleiben der Trumpschen Wirtschaftsoffensive und anzunehmenden Hurrikan-bedingten Konjunktureintrübungen jetzt auch noch eine klare Zinserhöhungspolitik betreiben? Damit würde es dem schon handelsüberschüssigen Euroraum über einen starken, wettbewerbsschädlichen US-Dollar noch mehr Kalorien zuführen.

Insgesamt ist der starke Euro ein Inflationshemmer. Bereits schwache Rohstoffpreise für Öl und Industriemetalle werden — sie sind in US-Dollar notiert — noch weiter unterdrückt. Der in der Vergangenheit so bedeutende volkswirtschaftliche Preistreiber Rohstoffe hat Ladehemmung.

Zur Inflationsbekämpfung muss die EZB also keinen eigenen restriktiven Kurs fahren, d.h. keine frühzeitige Reduzierung ihrer bis zum Bersten mit Anleihen gefüllten Notenbankbilanz betreiben und erst gar nicht an Leitzinserhöhungen denken.

Gut, wenn man einen starken Euro zum Freund hat. Beim Einstieg in den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik hat die EZB Zeit. Die Aktienmärkte wird es freuen.

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG:

http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128




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