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20. April 2017


Aktuelle Artikel

Finanztipps für den Frühling

Aktuelle Formen der Cyberkriminalität

Der Brexit - Ein Experiment mit völlig ungewissem Ausgang


Finanztipps für den Frühling

20.04.17

In den nächsten Monaten stehen wieder einige wichtige Änderungen und Neuregelungen rund um das Thema Finanzen an. Damit Sie auch im weiteren Verlauf des Jahres stets auf dem Laufenden sind haben wir die wichtigsten Änderungen für Sie zusammengefasst.

Höhere Renten

Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Rentenerhöhung: Ab dem 1. Juli steigen die Bezüge in den alten Bundesländern um 1,9%, in den neuen Bundesländern sogar um 3,6%.

Veränderte Umzugskostenpauschale

Im Februar 2017 stieg der Pauschbetrag auf 764 Euro für Ledige und 1.528 Euro für Verheiratete. Für jede weitere Person im Haushalt kommen 337 Euro dazu. Wenn Sie aus beruflichen Gründen umziehen, können Sie die Kosten gegebenenfalls von der Steuer absetzen.

Neuer 50-Euro-Schein

Seit dem 04.04.2017 ist der neue Fünfziger im Umlauf. Ebenfalls bereits im Umlauf sind neue Fünf-, Zehn- und 20-Euro-Scheine der neuen "Europa-Serie". In den kommenden Jahren sollen auch neue 100- und 200-Euro-Scheine eingeführt werden. Die 500-Euro-Note dagegen wird abgeschafft. Der neue Fünfziger sieht dem alten Schein sehr ähnlich, hat aber, wie auch die anderen neuen Geldnoten verbesserte Sicherheitsmerkmale. Dies soll den Fälschern ihre Arbeit weiter erschweren. Die alten Scheine bleiben gültig.

Für Sammler: Ab dem 27. April wird es wieder eine neue Fünf-Euro-Münze geben. Die Münze "Tropische Zone" hat einen lichtdurchlässigen Polymerring. Erhältlich bei der Deutschen Bundesbank.

Zinsen vom Finanzamt

Nicht nur das Finanzamt kann auf die Einhaltung von Fristen pochen, auch Sie können dies tun. Denn spätestens 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, muss das Finanzamt Ihnen in der Regel den Steuerbescheid senden. Wenn das Finanzamt diese Frist versäumt, können Sie 0,5% pro Monat an Zinsen einfordern. Für 2015 könnten, je nachdem wann Sie ihre Steuererklärung abgegeben haben, ab April 2017 Zinsen fällig werden. Das Finanzamt zahlt die Zinsen freiwillig und unaufgefordert, wenn Sie tatsächlich einen Anspruch darauf haben.

Da Pflichtveranlagte ihre Steuererklärung häufig im Mai abgeben, ist Ihre Chance größer, schnell vom Finanzamt zu hören, wenn Sie noch im April Ihre Steuererklärung abgeben.

Besserer Verbraucherschutz

Bei Problemen oder Streit mit Dienstleistern oder Händlern gibt es heutzutage viele Schlichtungsstellen, die Sie anrufen können. Im Regelfall auch kostenlos. Unternehmen müssen jetzt angeben, ob sie bereit sind, im Streitfall mit einer Verbraucherschlichtungsstelle zusammenzuarbeiten.

Die Inflation steigt

Im Februar betrug die Inflation in Deutschland 2,2%. Dies ist der höchste Wert in den vergangenen vier Jahren. Haupttreiber der Inflation waren dabei Lebensmittel- und Energiepreise. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet man mit einer Inflationsrate zwischen 1,4% und 1,8%. Im Vergleich dazu lag die Inflation 2016 bei 0,5%. Beziehen Sie also einen stärkeren Preisanstieg in Ihre Finanzplanung für 2107 ein. Und auch in einem weiteren Bereich wird es teurer. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung teilt mit, dass die Mieten für Neuverträge 2016 um durchschnittlich 4,9% gestiegen sind. In Großstädten sogar um 6,3%.


Aktuelle Formen der Cyberkriminalität

20.04.2017

Ende 2016 gelang der bisher größte Schlag gegen die organisierte Cyberkriminalität: Strafverfolger aus 41 Ländern schalteten Computerserver auf allen Kontinenten ab und deaktivierten über 800.000 Webseiten; fünf Männer wurden festgenommen. Die Betrüger hatten sich Zugang zu über 18 Millionen Onlinekonten verschafft und so mehrere Hundert Millionen Euro erbeutet. Dieses Beispiel zeigt: Cyberkriminalität ist aktueller denn je und betrifft jeden.

Um sich bestmöglich vor solchen Angriffen zu schützen, sollten Sie die gängigsten Methoden kennen, mit denen Kriminelle versuchen sich Zugang zu Ihren Daten zu verschaffen:

Finanz-Phishing: Über einen Link in einer E-Mail oder Kurznachricht wird der Nutzer auf eine gefälschte Webseite geleitet. Dort werden dann Benutzername, Passwort und TANs abgefragt. Mit diesen "abgefischten" Daten versuchen die Kriminellen dann auf das Vermögen zuzugreifen.

Trojaner sind Programme, die sich ohne Wissen der Nutzer auf ihren Rechnern installieren. Während Trojaner in den Anfängen zumeist in Anhängen dubioser E-Mails zu finden waren, verstecken sie sich heutzutage auch hinter angeblichen Werbeanzeigen. Sobald der Trojaner auf einem Ihrer Geräte installiert ist, kann er sensible Daten wie Passwörter oder Kreditkartendaten lesen und weiterleiten. Achten Sie daher auf eine gute und aktuelle Antivirensoftware.

Ransomware ist eine Schadsoftware ähnlich einem Trojaner, die die Daten auf dem Rechner verschlüsselt – der Nutzer kann seine eigene Daten nicht mehr einsehen. Die Betrüger verlangen dann ein "Lösegeld", um die Schadsoftware wieder zu entfernen. Offizielle Stellen wie das BKA raten aber von einer Zahlung ab, da eine Entschlüsselung nicht gewährleistet ist. Erstatten Sie stattdessen Anzeige und wenden sich an einen Fachmann. Besonders Smartphones sind häufig das Ziel von Ransomware.

Falschüberweisungen: Hier versenden Betrüger eine E-Mail, die über eine angebliche Fehlüberweisung informiert und den Nutzer zu einer "Rücküberweisung" auffordert. Kommt man dieser Aufforderung nach, überweist man den Kriminellen direkt Geld.

Dies sind nur die aktuell gängigsten Methoden. Ständig werden jedoch neue Methoden entwickelt, mit denen versucht wird Daten von Usern - insbesondere Bankdaten - abzufangen und zu manipulieren.

Beachten Sie deshalb immer folgende Grundsätze:
  • Geben Sie niemals mehrere TANs auf einmal an. Ihre Bank wird Sie niemals dazu auffordern.
  • Tätigen Sie keine Rücküberweisung einer angeblich eingegangenen Zahlung.
  • Kommen Sie nie einer Aufforderung zur Eingabe einer TAN zu Testzwecken oder zu einer Anmeldung eines Demokontos nach.


Wenn Sie den Verdacht auf einen Betrugsversuch haben, sollten Sie sofort alle Transaktionen stoppen. Erstellen Sie einen Screenshot und kontaktieren Sie Ihre Bank, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Anschließend sollten Sie die Neuinstallation Ihres PC vornehmen und Betriebssystem, Anwendungssoftware und Sicherheitssoftware aktualisieren. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie auch alle Benutzerwörter und Passwörter erneuern.

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Bankenverbands und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik . Dort finden Sie auch kostenfreie Sicherheitssoftware.


Kolumne von Robert Halver: Der Brexit – Ein Experiment mit völlig ungewissem Ausgang

20.04.2017

Großbritanniens Antrag auf Austritt aus der EU ist in Brüssel eingegangen. Jetzt beginnen schmerzliche Trennungsverhandlungen. Bei Wegfall des Zugangs zum größten Binnenmarkt der Welt müssen britische Banken - um ihre Geschäftsfähigkeit mit der EU aufrechtzuerhalten - z.B. nach Frankfurt umsiedeln. Wertschöpfung und Arbeitsplätze gehen damit in London verloren. Gleichzeitig kommt die britische Exportwirtschaft ihrer Majestät mit Ausfuhren in die EU von ca. 45 Prozent an Zöllen nicht vorbei. Damit wäre Großbritannien als Exportstandort weniger konkurrenzfähig und müsste den konjunkturschädlichen Exodus von Firmen in den EU-Raum in Kauf nehmen.

Grundsätzlich kann die EU den Briten keinen guten neuen Handelsvertrag anbieten. Denn das wäre die Austrittseinladung an andere EU-Länder, sich ebenso von den Verpflichtungen der EU zu befreien, ihre Rechte aber weiter in Anspruch zu nehmen. Mit einem schlechten Handels-Deal wiederum schneidet sich jedoch vor allem Deutschland ins eigene Fleisch. Großbritannien ist Deutschlands drittgrößtes Exportland.

Im Übrigen werden die fehlenden EU-Beiträge der Briten größtenteils von deutscher Seite aufgefangen werden müssen. Besonders negativ ist es, dass Deutschland nach dem Brexit einen strategischen Partner verliert, der immer für Marktwirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit und Finanzstabilität in der EU eingetreten ist. Überhaupt, in Konkurrenz zu Amerika oder China ist ein starkes, harmonisches Europa notwendiger denn je. Insgesamt sind weder britische noch kontinentale Politiker glücklich über einen Brexit.

Der vorgesehene Zeitplan bis zum britischen Austritt 2019 ist ohnehin nicht einzuhalten. Bis dahin müssen ca. 20.000 Regeln und Bestimmungen neuverhandelt werden. Eine Verlängerung ist vorprogrammiert. In dieser Zeit werden die Briten immer mehr spüren, dass ihnen der Brexit keine blühenden Landschaften bescheren wird. Denn angesichts einer harten Verhandlungshaltung der EU kann entweder nur ein Abkommen voller teurer britischer Zugeständnisse an die EU möglich sein. Oder man hat gar kein Abkommen, was Großbritannien in einer globalen Welt buchstäblich nur noch Inselstatus zubilligt.

Diese wenig prickelnde Erkenntnis eröffnet jedoch ungeahnte Perspektiven. Die britische Regierung kann während der Trennungszeit jederzeit und einseitig ihre Austrittsabsicht zurückziehen. EU und Deutschland würden sogar Brücken bauen, um Großbritannien beim Verbleib in der EU politische Gesichtswahrung zu gewähren.

Ich wünsche Europa dieses Happy End von Herzen. Ich behaupte, die Chancen auf den Ausstieg aus dem Ein-stieg in den Austritt sind da. Wetten, dass ?

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG:

http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128



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